Kunde:
Fairchild Dornier GmbH
Die Fairchild Dornier GmbH ging 1996 aus dem Zusammenschluss der
Dornier Luftfahrt mit der US-amerikanischen Fairchild
Aircraft hervor. Der Flugzeugbauer mit Sitz im bayerischen Oberpfaffenhofen
stellt neben Flugzeugen auch Komponenten für Airbus-Modelle her
und betreibt Servicezentren für die Wartung verschiedener Flugzeuge
und Hubschrauber. Nach dem Merger sollten durch
die Implementierung eines unternehmensweiten Intranets den 4.600 Mitarbeitern
in Bayern, ihren 800 Kollegen im texanischen San Antonio sowie den
rund 100 Angestellten in Herndorn (Virginia) aktuelle Informationen
und gemeinsame Tools für die tägliche Arbeit zur Verfügung
gestellt werden.
Herausforderung
Die enge Vernetzung der deutschen und amerikanischen Unternehmensteile
erforderte ein Intranet, das die Kommunikation zwischen den verschiedenen
Standorten erheblich vereinfacht. Daraus entstand ein Pflichtenheft
für das standortübergreifende Informationssystem, das sowohl
Ressourcen bündeln als auch eine gemeinsame Identität vermitteln
sollte. Da bis zu dessen Start allerdings keine Intranet-Plattform
existierte, war sehr viel Konzeptions- und Entwicklungsarbeit nötig – von
der Gesamtstrategie über die technische Infrastruktur bis zum
Corporate Design des fusionierten Unternehmens. Durch den engen Zeitplan
und das begrenzte Budget mussten die vorhandenen Ressourcen effizient
eingesetzt werden. Gleichzeitig sollte eine Software verwendet werden,
die auf Standards basiert und den definierten Workflow einfach abbilden
konnte.
Besondere Herausforderungen bestanden auch für den Aufbau des ebenfalls
geplanten Extranets. Da einige der Kunden ihren Sitz in Ländern
mit eher langsamen Internetverbindungen haben, sollte das geplante „Customer
Service Gate“ auf Grafik verzichten und für einen geringen
Datendurchsatz konzipiert werden.
Lösung
Das komplette Intranet wurde von eggs unimedia auf der Grundlage
von Adobe ColdFusion, Adobe JRun, Oracle und Sun Solaris
sowie des LDAP-Standards entwickelt. Dabei erwies sich ColdFusion
als ideale Basis für
das benötigte Redaktionssystem, das die Editierbarkeit ohne externe
Tools gewährleisten sollte. Die Gründe für den Einsatz
von nicht browserbasierten Editierungswerkzeugen lagen zum einen in
dem Vorsatz, die Kosten möglichst gering zu halten, zum zweiten
aber auch in der Vielfalt von Betriebssystemen im Konzern. Durch den
Einsatz von Spectra konnte zudem insbesondere am Anfang der Produktionsphase
viel Zeit gespart werden.
Der drei Monate dauernden Konzeptionsphase von Februar bis Mai 2000
folgten fünf Monate Realisierungszeit. Den größten
Aufwand verursachte hier die Aufbereitung der Inhalte, denn circa
achtzig Prozent des Aufwandes bei der Entwicklung der Internetapplikation
bestand in der Bereinigung und Aufarbeitung von Dateninkonsistenzen.
Um auch den Produktionsmitarbeitern den Zugang zu ermöglichen,
wurden in den Flugzeughallen in Oberpfaffenhofen Intranet-Terminals
aufgestellt.
Die Lieferanten wurden ebenfalls in die eBusiness-Strategie des
Flugzeugbauers einbezogen, der sich mit eSourcing-Projekten wie der
Ausschreibung der Energieversorgung oder von IT-Projekten via Intranet
speziell an diese Gruppe seiner Geschäftspartner wendet. Hinzu
kommen spezifische Intranet-Applikationen wie die Denied Persons List,
ein Fehlteilmanagement sowie der weltweite Lagerbestand. Im Herbst
2001 ging zudem das von eggs unimedia aufgebaute Fairchild Dornier-Extranet
online, das sich an die Kunden des Luftfahrtunternehmens richtet.
Nutzen
Insgesamt greifen 26 Nationalitäten auf die zweisprachigen
Informationen im Intranet zu. Um die Bilingualität für
alle Inhalte zu garantieren, wurde eine automatische Übersetzung
integriert: Eingegebene Texte werden entweder manuell vom Benutzer
oder automatisch auf dem Server übersetzt. Kern dieser Lösung
ist die Übersetzungssoftware Systran, die sich problemlos in
die ColdFusion-Applikation integrieren ließ.
Auf Grund der browserbasierten Administration und des Workflowmodells
kann jeder Mitarbeiter auch ohne spezielle Vorkenntnisse im Intranet
Inhalte bereitstellen. Diese dezentrale Administration spart Kosten,
ist aktueller, vielseitiger und effektiver. So erhalten die Mitarbeiter
im Intranet Informationen aus allen Unternehmensbereichen, vom Erwerb
ganzer Flughäfen bis zur Wartung Jahrzehnte alter Bundeswehr-Hubschrauber.
Hinzu kommt ein weltweites Inventar sowie ein Verzeichnis fehlender
Teile von Fremdherstellern. Für den Außendienst ist sogar
ein Flugzeugkonfigurator integriert worden, der alle Details und Konfigurationsmöglichkeiten
der Fairchild Dornier-Flugzeuge enthält.
Ebenfalls ins Intranet verlagert wurden kostenintensive Prozesse
wie die Besucheranmeldung: An den Pforten des Firmensitzs werden die
dazu gehörigen Informationen direkt aus dem Intranet übernommen.
Die Benutzerverwaltung wurde ebenfalls berücksichtigt: Bei der
Neueinstellung eines Mitarbeiters wird automatisch aus der Personalliste
ein Benutzeraccount generiert. Geht jemand in den Ruhestand, wird
sein Account automatisch im System gelöscht. „Karteileichen“ und
die Sicherheitsrisiken durch noch nicht gelöschte Nutzeraccounts
ehemaliger Mitarbeiter sind bei Fairchild Dornier somit ein Fremdwort.
Der Nutzen des „Customer Service Gate” liegt neben der
Kundenbindung in der Bereitstellung einer personalisierten Serviceapplikation,
die für Kunden aktuelle Informationen, Betriebsanleitungen, Security
Bulletins und Wartungsinformationen bietet. Dieser zusätzliche
Service wird von dem anspruchsvollen Kundenkreis aktiv genutzt. Daneben
haben die internationalen Luftfahrtbehörden Zugriff auf das Extranet
und erhalten so einen schnelleren Zugang zu den gesetzlich geforderten
Informationen.
Aktuelle Information: Im Jahr 2002 musste die Fairchild Dornier
GmbH Insolvenz anmelden und wurde aufgeteilt (näheres zur Geschichte
unter http://de.wikipedia.org/wiki/Dornier-Werke).
Das Intranet ist teilweise von den Nachfolgegesellschaften übernommen
worden.
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